Unter dem etwas provokativen Motto
„Den Transitus (Übergang) gestalten. Ordensleben / Geistliches Leben in Zeiten der Transformation – oder: Vom Charme einer Baustelle“
war Br. Stefan Federbusch OFM als Referent zu einer Online- Veranstaltung der Fokolarbewegung eingeladen und hat der Vivere Bewegung die Chance eingeräumt, ihr Charisma beispielhaft vorzustellen.
Der Hauptimpuls von Br. Stefan griff das Thema „Baustelle“ auf und bezog sich auf die großen Transformationsprozesse unserer Zeit: auf die Klimakrise, gesellschaftliche und sicherheitspolitische Veränderungen, aber auch auf die Transformation der Ordenswelt und der Kirche.
Hierbei bezog sich Br. Stefan auch auf ein Zitat von Papst Leo XIV. aus der Enzyklika Magnifica humanitas (Nr. 16):
„An alle katholischen Gläubigen, an alle Christen, an alle Männer und Frauen guten Willens richte ich einen eindringlichen Appell: Scheuen wir nicht, uns auf der Baustelle unserer Zeit die Hände schmutzig zu machen.“
Dabei wurde auch der Begriff Exnovation aufgegriffen. Er bezeichnet das gezielte und bewusste Abschaffen oder Beenden von veralteten Technologien, Prozessen oder Praktiken. So können dringend benötigte Freiräume, Ressourcen und Kapazitäten geschaffen werden, um neue und zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln und umzusetzen.
Br. Stefan zitierte dazu aus einem Lied von Norbert Weidinger:
„Füllt den neuen Wein nicht in die alten Schläuche, zwängt die junge Kirche nicht in alte Bräuche. Öffnet Herz und Ohren weit dem neuen Klang, schöpfet Mut für euren Glauben, seid nicht bang!“
Und als ein Beispiel dafür, wie ein solcher Freiraum genutzt werden kann, durften Ulrich Rau und Stephanie Schaerer die Vivere-Bewegung vorstellen.
Dank einer kleinen technischen Panne improvisierten sie ihren Vortrag. So ging es nicht nur um Informationsweitergabe, sondern es konnte auch etwas von der Lebendigkeit des Vivere-Charismas aufblitzen.
Vivere – „Warum müsste man uns erfinden, wenn es uns nicht schon gäbe?“
Struktur vor Geist? Nein – Geist vor Struktur!
Damit wurde auch das Innovative an Vivere deutlich: Ohne eine fest gefasste formale Struktur legt die Bewegung vor allem Wert auf die spirituellen Inhalte, wie sie im Vivere-Leitbild ausgedrückt sind.
Vivere als franziskanische Laienbewegung heißt Menschen – unabhängig von Herkunft, Religion, Weltanschauung und persönlicher Prägung – willkommen. Wir verstehen uns nicht als eine ausschließlich katholische Bewegung, sondern sind zum einen ökumenisch offen und zum anderen offen für alle Menschen, für die das Evangelium eine spirituelle Basis ist.
Das gemeinsame Mahlhalten und das Teilen des Wortes Gottes sind zentrale Elemente bei den Zusammenkünften der Regionalgruppen.
Wir kennen kein Gelübde und kein formales Versprechen, sondern sind niederschwellig offen für alle, die zu uns finden. Niederschwelligkeit ist allerdings nicht mit Beliebigkeit gleichzusetzen.
Dabei wird immer wieder kreativ nach Wegen gesucht, das Evangelium im Alltag zu leben. Und manchmal gehört dazu auch Improvisation.
So konnte bei der Veranstaltung ein kleiner Eindruck davon vermittelt werden, wie christliches Charisma durch neue Wege Gestalt gewinnen kann.
Resonanz und Austausch: Wo treffen sich die Wege?
Die Begegnung mit der Fokolarbewegung bot Gelegenheit zum Austausch über unterschiedliche Charismen und geistliche Wege. Dabei wurde deutlich, dass die jeweiligen Formen und Traditionen verschieden sein können und es dennoch viele gemeinsame Berührungspunkte gibt.
Fazit: Ein Schritt in die Zukunft
Die Teilnahme an der Online-Veranstaltung der Fokolarbewegung war für Vivere mehr als nur ein Referat. Sie war auch ein Zeugnis unserer Offenheit.
Wir haben gezeigt, dass wir bereit sind, in den Dialog zu treten, dass wir unsere Wurzeln in der franziskanischen Spiritualität kennen und zugleich offen sind für neue Impulse.
Für Stephanie und Ulrich war es ein besonderes Erlebnis, Vivere in diesem Kontext zu präsentieren und zu sehen, wie franziskanische Haltungen – Gewaltlosigkeit, Solidarität und die Bewahrung der Schöpfung – auch bei der Fokolarbewegung Anklang finden.
Vielleicht war diese Begegnung damit auch ein kleines Beispiel dafür, was es heißen kann, sich auf der „Baustelle unserer Zeit“ die Hände schmutzig zu machen: Nicht nur über Veränderung zu sprechen, sondern neue Begegnungen zu wagen und miteinander nach Wegen für die Zukunft zu suchen.
Ulrich Rau, Vivere Rheinland
