Zeitungsartikel in der Thüringer Allgemeine vom 26.01.2019

Hilfe für Aleppo aus dem Eichsfeld

Die franziskanische Vivere-Bewegung sammelt knapp 8700 Euro für traumatisierte Kinder und verlassene Mütter in der kriegszerstörten syrischen Stadt.

Vivere Gruppe 2018 Auch in diesem Jahr war die Spendenaktion „Bring Licht nach Aleppo“ der Vivere-Bewegung ein Erfolg. Über das Ergebnis und die Unterstützung freuen sich die Mitstreiter sehr. Auf dem Hülfensberg wurde die diesjährige Aktion nun beendet. Foto: Katrin Räuber

Eichsfeld. Im November 2018 rief die Vivere-Bewegung vom Hülfensberg zu der Spendenaktion „Bring Licht nach Aleppo“ auf. Jetzt beendeten die Mitglieder ihre Aktion mit einem Abschlussgottesdienst auf dem Hülfensberg. Nach der Messfeier wurden die Päckchen geöffnet und das gesammelte Geld gezählt. „Vivere“ (lateinisch: „leben“) ist eine franziskanisch inspirierte Bewegung, die der franziskanischen Ordensfamilie partnerschaftlich verbunden ist.

Bereits im November waren fleißig die Spendenboxen und kleinen Päckchen gebastelt und dann in Buchhandlungen, zu Konzerten und in Unternehmen verteilt und aufgestellt worden. In diesem Jahr hatten sich die Mitglieder auf besondere Weise auf den Weg gemacht, um die Spenden zu sammeln. Nämlich jeder auf seine Art und nach seinen Möglichkeiten.

Spendenboxen seit November verteilt

„Die Vielfältigkeit und die Ideen, auf welche Weise die Spenden gesammelt wurden, haben uns sehr beeindruckt“, sagt Bernadett Hellwig. So wurde zum Beispiel bei den Rentnerweihnachtsfeiern der Bildungsstätte Uder die Hälfte aller Spenden für hilfsbedürftige Menschen in der kriegszerstörten syrischen Stadt abgegeben. In einer Arztpraxis wurde die Box auf den Empfangstresen gestellt, und die Mitarbeiter sprachen aktiv mit den Patienten.

Einige der Vivere-Mitglieder haben einen Vormittag lang in einer Bäckerei mitsamt der Spendenbox das Projekt vorgestellt und die Kunden zum Spenden animiert. Und im Dingelstädter Familienzentrum „Kerbscher Berg“ wurden Weihnachtssterne gebastelt und für den guten Zweck verkauft.

Zwei junge Künstler spielten in Leipzig und spendeten ihre Gagen. Auch in mehreren Kindergärten wurden die Spendenboxen aufgestellt. Ein Kindergarten nahm die Aktion zum Anlass, um eine Projektwoche mit den Kindern zu starten. Die Mädchen und Jungen verkauften Walnüsse und sammelten damit für die Projekte in Aleppo. Pfarrer Franz Konradi aus Uder hatte ebenfalls eine besondere Idee: Er gestaltete mit den Kindergartenkindern einen „umgekehrten“ Adventskalender. In jedes Adventstürchen wurde etwas hineingelegt und nicht herausgenommen. Der gesamte Erlös wurde gespendet. „Mit diesen Aktionen wurden auch den Kindern gezeigt, wie wichtig es ist, hilfsbedürftigen Kindern etwas abzugeben“, betont Bernadett Hellwig. Auch in einem Yogazentrum spendeten die Teilnehmer in die Spendenbox.

Die Bewegung um Bernadett und Thomas Hellwig aus Niederorschel hatte die Aktion bereits vor drei Jahren ins Leben gerufen. Diesmal sollen die Spenden gleich zwei Projekten zugute kommen. Zum einen sind sie für ein Trauma-Zentrum in Aleppo, welches von zwei Franziskanerbrüdern vor Ort betreut wird. In diesem werden vom Krieg traumatisierte Kinder therapiert und betreut.

Zum anderen werden die Spenden in ein Projekt der Franziskanerbrüder investiert, welches sich unter anderem um alleinstehende, verwitwete oder verlassene Frauen kümmert. Die Frauen, die wegen des Krieges alleinerziehend wurden oder Kinder geboren haben, die nicht registriert wurden, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden, sollen wieder in ein menschenwürdiges Leben zurückgeführt werden.

Mitte des Monats sammelten die Vivere-Mitglieder die verteilten Spendenboxen wieder ein und brachten sie zum Abschlussgottesdienst mit. Das Ergebnis der Spendenaktion freute die Mitglieder sehr. Ein Erlös von 8688,82 Euro wurde erreicht und geht jetzt direkt nach Aleppo. Bernadett Hellwig bedankte sich herzlich bei allen Spendern und bei den „Vivere“-Mitgliedern für ihren Einsatz. „Alle zusammen haben auch in diesem Jahr wieder den franziskanischen Geist – jeder auf seine Weise – in die Welt und ein Licht nach Aleppo gebracht.“

Katrin Räuber / 26.01.19

Zeitungsartikel in der Thüringer Allgemeine vom 03.02.2018

Fast 14000 Euro für Aleppo

Vivere-Bewegung überwältigt von riesiger Resonanz auf die große Geschenkpäckchen-Spendenaktion im Eichsfeld

Von Silvana Tismer

Eichsfeld. „Tu erst das Notwendige, dann das Mögliche und du erreichst das Unmögliche“ – Dieses Zitat des Franz von Assisi kommt Thomas Hellwig aus Niederorschel beim Blick auf das Ergebnis der Spendenaktion „Bring Licht nach Aleppo“ in den Sinn. Die Bewegung „Vivere“ hat das für sie unfassbare Ergebnis von 13 895,18 Euro erreicht. Damit hätte niemand gerechnet. Im Advent hatte die Bewegung eine Geschenkpäckchenaktion initiiert. In Buchhandlungen, bei Konzerten und allen möglichen anderen Gelegenheiten wurden die Päckchen angeboten. Die Helfer durften nach eigenem Ermessen einen Betrag hineinlegen, der direkt nach Aleppo gehen sollte, für Lebensmittel, für Hygiene oder für Strom und Wasser.

Vivere Gruppe 2018 Die Spendenaktion „Bring Licht für Aleppo“ hat den unfassbaren Erlös von rund 14000 Euro gebracht. Auf dem Hülfensberg haben die Sammler das Geld an Bruder Werner Mertens übergeben. Fotos: Vivere

Ende Januar wurden die Päckchen geöffnet und das Geld gezählt. Das Geld ist in einem Gottesdienst auf dem Hülfensberg jetzt an den Franziskanerbruder Werner Mertens übergeben worden, der es selbst nach Syrien mitnahm, um mit dem Erlös die schlimmste Not in Aleppo mindern zu helfen. Werner Mertens schilderte einmal mehr die Situation im Kriegsgebiet. „Zerstörung, Vertreibung, Hunger und Not sind die Worte, wenn es um die Beschreibung der Lage in Aleppo und anderen Gebieten Syriens geht“, sagte er. Aber auch von Hoffnung sei die Rede, die die Menschen dort geschenkt bekommen. Hoffnung, die von Aktionen wie „Bring Licht für Aleppo“ ausgehe. „Gerade durch solche Zeichen werden unsere christlichen Brüder und ihre Nachbarn, egal welchen Glaubens, gestärkt in ihrer Sehnsucht, die Heimat nicht verlassen zu müssen und ihre Stadt wieder aufbauen zu können“, fand er bewegende Worte. Er rief weiter auf, diese Region nicht zu vergessen, die die ältesten christlichen Gemeinden beherbergen. „Jede Spende zeigt unseren Schwestern und Brüdern, dass wir sie nicht vergessen haben, dass wir bei ihnen sind, ihnen beistehen und Hoffnung in der Hölle, wie der Titel des Buches von Pater Ibrahim lautet, geben.“ Bruder Johannes vom Hülfensberg überreichte ihm symbolisch die große Spendenbox.

Bring Licht nach Aleppo

Bruder Johannes überreichte im Abschlussgottesdienst symbolisch eine große Spendenkiste.

Bring Licht nach Aleppo

Thomas und Bernadett Hellwig sowie Andrea und Friederike Thon sind bis nach Erfurt zum Sammeln gegangen.

Konfessionen spielen bei der Hilfe keine Rolle

Aber nicht nur das Spendenergebnis in monetären Fakten hat die Mitglieder der Vivere-Bewegung tief beeindruckt. Sondern vor allem davon, dass einige über sich selbst hinausgewachsen sind und wo sie überall willkommen waren. Bernadett und Thomas Hellwig erinnern sich gern an ihre Idee. „Nach dem ersten Kamingeflüsterkonzert gingen wir auf Jorita Solf zu und fragten, ob Princess Jo bereit wäre, unser Anliegen zu unterstützen. Natürlich waren sie das.“ Die Gäste spendeten vor Ort beim Konzert und konnten ihre Päckchen in den drei Buchhandlungen von Karin Bohm-Lancé abgeben, die ebenfalls keine Sekunde gezögert hätte zu helfen. Andrea und Friederike Thon überlegten nach dem Auftaktgottesdienst, bei dem schon über 3300 Euro gespendet wurden, wie sie noch mehr sammeln könnten. Andrea Thon arbeitet im Kindergarten in Diedorf und Friederike Thon im Finanzministerium in Erfurt. „So stellten wir unsere Spendenboxen auch an unserer Arbeitsstätte auf und erklärten den Mitarbeitern, Eltern und Kollegen die Aktion. So konnten wir das Spendenergebnis steigern.“ Tief bewegt zeigt sich auch Bruder Johannes vom Hülfensberg. „Viele Menschen zündeten hier auf dem Hülfensberg ein Licht für Aleppo an. Ich war immer wieder erstaunt, wie viele Päckchen ich aus der großen Sammelkiste herausholte.

Bring Licht nach Aleppo Bring Licht nach Aleppo
Karin und Sigmar Braun konnten von der Weihnachtssingewoche in Erfurt 1200 Euro mitbringen. Adrian Wawrzinek und Bernward Seipel engagierten sich in der Silvesternacht und im Fußballinternat für die gute Sache.

Sehr berührt war ich, als aus Ilmenau der Leiter der apostolischen Gemeinde mit einer Spende von fast 300 Euro hier persönlich auf den Hülfensberg kam, weil seine Gemeinde auch für Aleppo gesammelt hatte. Dies kam, weil eine Frau aus der Vivere Gruppe dieser Gemeinschaft angehört und erfolgreich für diese Aktion geworben hatte. Der Besuch war sehr herzlich und hat zu Überlegungen geführt, was man denn noch weiteres in Zukunft gemeinsam machen könnte. Damit hat das Licht von Aleppo auch ökumenische Brücken gebaut. Bei der Hilfe für Notleidende spielen konfessionelle Grenzen keine Rolle.“ Adrian Wawrzinek wiederum engagierte sich in der Silvesternacht auf dem Hülfensberg und beim Familienzentrum am Kerbschen Berg mit einer Weihnachtsstern– Bastelaktion. „Weitere Spendenaufrufe fanden in unseren Familien statt“, ergänzt Bernward Seipel, der auch eine Box in seinem Fußballinternat aufstellte. „Wir sprachen über die Situation der Menschen in Aleppo und über das Wirken der Franziskaner dort.“ Die Päckchen wurden gern mit unterschiedlichen Beträgen gefüllt. „Vivere-Rentnerin Karola aus Nordhausen fuhr Freunde und Bekannte zu Arztterminen, sammelte auf diese Weise 203 Euro. Sie war so stolz und glücklich“, nennt Thomas Hellwig ein weiteres Beispiel. Karin und Sigmar Braun schließlich warben bei der Weihnachtssingewoche in Erfurt auf Anfrage von Pfarrer Thomas Gehlfuß für die Aktion. Und beim Abschlusskonzert in Erfurt von über 50 Jugendlichen kam ein Spendenerlös von rund 1200 Euro zusammen.

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Pressebericht Syrienbazar

Die neue franziskanische Gruppe Vivere, die am Hülfensberg ansässig ist, folgte einem Hilferuf syrischer Franziskaner, um die Not in Aleppo zu lindern. Dazu regten Vivere Mitglieder Basare in den Ortschaften Großbartloff, Rengelrode, Heiligenstadt (Caritas), Diedorf an und führten selbst einen auf dem Hülfensberg und Kerbschen Berg durch. Außerdem beteiligten sich noch die Firmbewerber aus Dingelstädt durch Einnahmen aus dem Cafe des Herzens an der Aktion. Durch die größtenteils selbstgemachten Bastelarbeiten, Bücher und den Verkauf von Glühwein, Kinderpunch und Kaffee kam der großartige Betrag von 4771,27 € zusammen.

Dieses Geld übergaben Mitglieder von Vivere dem Franziskaner P. Werner Mertens, der intensive Kontakte zu den Franziskanern nach Syrien hat. P. Werner stand auch dem Gottesdienst um 10.00 Uhr vor und berichtete mit Wassim, der aus Syrien stammt, von der aktuellen Situation in Aleppo. Die humanitären Zustände sind verheerend, besonders in dem Ostteil der Stadt. Sieben Franziskaner sind noch, trotz großer Gefahren in Aleppo und versuchen nach Ihren Möglichkeiten zu helfen.

Durch die Franziskaner in den Anreinerstaaten erhalten sie finanzielle und materielle Hilfe. Weil sie einen Brunnen im Kloster haben, helfen sie z.B. bei der Wasserversorgung, indem sie es mit Kanistern direkt zu den Hilfsbedürftigen bringen. Für die Kinder und Jugendlichen schaffen sie Freizeitangebote, damit sie anderes erleben als nur Krieg und Zerstörung. Auch die Gottesdienste werden weiter angeboten.


Auf den Basaren ließen viele Gespräche die Anteilnahme an der Situation der Menschen in Syrien wachsen.