Weihnachtsimpuls von Br. Hermann Schalück

Symphonie für eine neue Welt

Ja, es gibt sie wirklich, die Zukunftsmusik.
Sie hat doch damals schon gespielt,
als Himmel und Erde sich begegneten,
als ausgehend von jenem kleinen Ort im Nahen Osten
eine Ahnung vom Frieden sich über alles legte.

Sie begrüßte die Geburt eines neuen Menschen,
war Auftakt zu einer neuen Zeit.
Sie spielte, weil eine Erwartung sich zu erfüllen begann.

Und das war und wird immer sein eine Musik
nicht nur für die Engel,
nicht nur für Orgel und Cembalo, Pauken und Trompeten,
sondern eine unerhört neue Symphonie für die gesamte Schöpfung:

Dann hat jeder Stern im All und jedes Atom
Stimme, Rhythmus und Melodie.
Die Ozeane stimmen ein und alles was sich darin bewegt.
Das Seufzen der Kreatur wandelt sich in Wohlklang.
Marschmusik verklingt für immer.
Das Schweigen aller Waffen ist von ungewohnter Harmonie.
Die Armen beginnen vor Freude zu tanzen.
Alle, die vor Angst verstummt waren, summen mit.
Grobe Klötze brummen vergnügt.
Die mit versteinertem Herzen
stimmen ein in das große Crescendo:

Eine Hoffnung ist uns geboren.
Eine Perspektive wurde uns geschenkt.
Gott selber führt seine Schöpfung
in eine gute Zukunft.
Leben ist sein Name.
Gerechtigkeit ist sein Werk,
und seines Friedens wird kein Ende sein.

Br. Hermann Schalück ofm

Weihnachtsimpuls

Mit Franz von Assisi auf dem Weg zum Weihnachtsfest

Weihnachtsimpuls

Mit Franz und seiner Spiritualität kann man durch das ganze Jahr gehen; immer wieder gibt es Anlässe und Gelegenheiten, die Schöpfung zu bewahren, sich für Frieden und Versöhnung, Gerechtigkeit und Fairness einzusetzen, maßvoll, bescheiden und nachhaltig zu leben, die Begegnung mit den Fremden suchen und interreligiösen Dialog zu pflegen und geschwisterlich Glauben und Leben zu teilen.

In der Adventszeit und an Weihnachten richten Christen den Blick auf den Erlöser, mit dem das messianische Friedensreich für die ganze Schöpfung und der Friede und die Freude für alle Menschen begonnen haben und in dem Gott Mensch wurde, damit wir Menschen wirklich Mensch werden.

Weihnachten (die Menschwerdung Gottes in einem kleinen Kind in der Grippe) war für Franz ein sehr zentrales Fest, an dem die Güte und Nähe Gottes sichtbar und erlebbar wird, eines Gottes, der hinabsteigt zu den (kleinen und unbedeutenden) Menschen und der sich ganz auf das (oft fragmentarische) Leben der Menschen einlässt und einer von ihnen wird.

Er rief zwei Brüder zu sich und sagte: Geht und singt vor dem Bischof und dem Bürgermeister und den anderen, die bei ihnen sind den Lobpreis der Schöpfung und fügt diese Strophe an. Ich selbst vertraue darauf, dass Gott ihre Herzen verändern wird und sie zur früheren Freundschaft zurückfinden.

Sichtlich berührt von dem Gesang wollte der Bürgermeister dem Bischof verzeihen. Der Bischof aber sagte: „Eigentlich müsste ich demütig sein, doch weil ich von Natur aus zum Zorn neige, bitte ich dich um Verzeihung.“ Und so umarmten sie sich und beendeten den Streit. Die Brüder waren erstaunt, dass alles so gekommen war, wie Franziskus es vorausgesagt hatte.

In seiner berühmten Weihnachtspredigt (Kuhn Johannes: Kleine Weihnachtspredigt des Franz von Assisi, 1998) sagte Franz folgendes: „…. Was nützt es, wenn ihr Weihnachten nur feiert, eure Geschenke aufrechnet und für ein paar Stunden gerührt seid? Ich habe euch die Krippe nicht zum Anschauen geschenkt, sondern zum Anfassen. Man muss das Kind „auf seinen Händen tragen“, muss die Muttergottes und ihren Mann „in die Arme nehmen“, man muss sich mitten unter die Hirten gesellen und einer von ihnen werden. Mit den Gestalten der Heiligen Nacht eins werden, das ist es. Man muss selber die Demut des Kindes lernen, dem Staunen und der Freude der Eltern im eigenen Herzen Raum geben, man muss sich von den Hirten anstecken lassen. Man muss etwas merken nach Weihnachten, dass man die Christgeburt gefeiert hat. Und man wird sich auf den Weg machen müssen, um an Epiphanie seine eigenen Gaben zu bringen. Nein, sich selbst.“

Weihnachtsimpuls

Von der Theorie …
Bekannt ist, dass Franz Im Jahr 1223 bei Greccio in einer Grotte den Stall von Bethlehem nachstellen lässt. Mit allen Sinnen möchte er das Geheimnis der Menschwerdung Gottes in sich aufnehmen. Und so bereiten seine Brüder den Ort für die Weihnachtsfeier mit Krippe und Stroh, mit Ochs und Esel vor. Hier wird dann der Weihnachtsgottesdienst gefeiert; das Weihnachtsevangelium kann leibhaftig erfahren werden. Diese Feier ist so ergreifend, dass sie im Nachhinein so beschrieben wird: „Damals ist das Kind Jesus im Herzen vieler neu geboren worden.“

… zur Praxis
Wie wäre es, bei einem „Offenen Adventskalender“ die Menschen zu einer Krippenaufstellung einzuladen, bei dem die Anwesenden die einzelnen ‚Elemente‘ einer Krippe nachstellen (jede/r darf sich seine ‚Rolle‘ aussuchen. Wer will wohl das Christuskind sein, wer das Stroh?). Wenn alle stehen, kann die ganze Weihnachtspredigt von Franz (s.o.) vorgelesen werden. Das Spiel wird umrahmt mit passenden Advents- und Weihnachtsliedern oder Liedern über Franz von Assisi und von einer Meditation zur Einübung in die Stille.

Vielleicht kommt es danach bei Glühwein und Weihnachtsgebäck zu einem Austausch über Franz von Assisi und/ oder über Weihnachten und/ oder über die eigenen Erfahrungen mit dem Krippenspiel.

Wer weitere Materialien für eine „lebendige Krippe“ braucht, melde sich bei joachim001schick@gmail.com.

Einen weiteren Impuls für eine Krippenaufstellung findet man unter https://www.kirche-im-wdr.de/de/nc/ startseite/makepdf/programuid/krippenaufstellung-1/

Für die vivere-Gruppe Rheinland
Joachim Schick

Versöhnung wagen

Versöhnung wagen

Versöhnung wagen
Foto: Natanael Ganter

Als Franziskus krank daniederlag hörte er von der heftigen Auseinandersetzung zwischen dem Bischof und dem Bürgermeister von Assisi. Es bedrückte ihn, dass keiner versuchte den Streit beizulegen. Gerade hatte er den Lobpreis auf die Schöpfung verfasst, da griff er noch mal zur Feder und komponierte folgende Strophe:

„Gelobt seist du, mein Herr,
durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen
und Krankheit ertragen und Drangsal.
Selig jene, die solches ertragen in Frieden,
denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt werden.“

Er rief zwei Brüder zu sich und sagte: Geht und singt vor dem Bischof und dem Bürgermeister und den anderen, die bei ihnen sind den Lobpreis der Schöpfung und fügt diese Strophe an. Ich selbst vertraue darauf, dass Gott ihre Herzen verändern wird und sie zur früheren Freundschaft zurückfinden.

Sichtlich berührt von dem Gesang wollte der Bürgermeister dem Bischof verzeihen. Der Bischof aber sagte: „Eigentlich müsste ich demütig sein, doch weil ich von Natur aus zum Zorn neige, bitte ich dich um Verzeihung.“ Und so umarmten sie sich und beendeten den Streit. Die Brüder waren erstaunt, dass alles so gekommen war, wie Franziskus es vorausgesagt hatte.

Zu schön, um wahr zu sein?

Nach einer Auseinandersetzung versuchen wir oft herauszufinden, wer im Recht ist. Was dann folgt sind vergebliche Debatten. Der Gesang der Brüder weckt die Herzen. Anstatt zu sehr in die Vergangenheit zurückzugehen, können auch wir den Blick nach vorne richten:

Laden wir unseren vermeintlichen Feind zum Essen ein; schicken ihm eine humorvolle Postkarte oder gehen wir mit ihm in ein Konzert und nutzen wie die Brüder die versöhnende Kraft der Musik. Diese neuen Erfahrungen geben Raum anders über alte Verletzungen zu reden; jetzt aber aus einem Abstand heraus.

Br. Johannes Küpper ofm